Rezension
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Ein Schloss im Schnee, ein zugefrorener See und ein erinnerungsloser Erzähler, der Fluchtpläne schmiedet. Doch wie kann eine Person diesem gut bewachten und mysteriösen Ort entfliehen, ohne die eigene Identität zu kennen? Für den Erzähler beginnt eine Reise, nicht nur aus dem Schloss, sondern auch durch die Frage von Illusion und Realität. Auf dem Weg trifft diese Person merkwürdige Kreaturen, irrt durch Labyrinthe voller Geheimnisse und steht am Ende seiner Erinnerungen vor der Erkenntnis, dass Wahrheit ein dehnbarer Begriff ist.
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Ich weiß gar nicht so recht, wie ich meine Rezension beginnen soll. Als ich den Klappentext las, habe ich mich auf eine mysteriöse Fantasygeschichte vorbereitet. Der Einstieg im verschneiten Schloss, mit einem Protagonisten, über den wir nichts wissen, da er selbst nichts weiß, war spannend und interessant. Zwischendurch dachte ich, ich befinde mich in einer Art Harry Potter Erzählung für Erwachsene.
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Je länger das Buch voranschreitet, desto verworrener wird es. Plötzlich gibt es keine geradlinige, klassische Fantasyerzählung mehr. Ich kann es nicht direkt beschreiben, ohne zu viel zu verraten, aber auf einmal habe ich nicht mehr an Harry Potter, sondern eher an Shutter Island gedacht. Das Buch ist mit kleinen Plottwists gespickt; machne mehr, andere weniger offensichtlich.
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Zum Ende hin habe ich mich dann mehr in einer Black Mirror Folge gesehen. Wir begleiten den Protagonisten auf einer spannenden Selbstfindungsreise, in der man nie so richtig weiß, was eigentlich real ist und ob es überhaupt ein zufriedenstellendes Ende geben kann. Aber ich muss sagen, das Ende topt wirklich alles.
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Ich habe mich im Leseprozess sehr viel mit dem Autoren ausgetauscht und das war auch nötig, denn es gibt so viele Referenzen, die ich sonst bestimmt übersehen hätte. Ich denke, die Geschichte ist beim zweiten Mal Lesen noch spannender, da man nun auf alle kleinen Details achten kann. Das Buch ist keineswegs ein seichter Fantasyroman für Zwischendurch, sondern hochkomplexe Literatur. Es ist unglaublich gut durchdacht, hat eine sehr präzise Wortwahl und viele versteckte Referenzen. Sicherlich ein gutes Buch, um in einem Uni-Seminar in Philosophie, Kunst, Mediengestaltung oder ähnlichem diskutiert zu werden.
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Trotz all der Komplexität ist es aber spannend geschrieben und kann wie jeder Roman gut gelesen werden. Für mich war “Kryonium” definitiv eine schöne Abwechslung zwischen den vielen Lovestories und hatte die vollen 5⭐ mehr als verdient.
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